TROMMELSTUDIO.AT
Inh. BENNO STERZER
Siebenbrunneng. 58/7
1050 Wien
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Zuletzt geändert
am 13. Febr. 2012

 
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Gedanken zum Unterricht
Unterrichtsphilosophie

Über mich

Ich bin meines Wissens der längst dienende Trommellehrer für Kinder in Wien sowie einer der erfahrensten Trommellehrer Österreichs. Als einer der ersten, die sich in Österreich mit traditioneller afrikanischer Musik beschäftigten und diese hier gemeinsam mit AfrikanerInnen auf die Bühnen brachten, glaube ich mir ausreichend Kenntnisse in dieser Musikrichtung angeeignet zu haben, um sie auch fundiert weiterzugeben. An dieser Stelle möchte ich meinen afrikanischen und österreichischen Lehrern und Mitmusikern danken.

In meiner Ausbildung zum Musiktherapeuten an der Wiener Musikhochschule (heute: Universität für Musik) waren viele pädagogische und psychologische Fächer Bestandteil des Studiums; viele Bereiche der Musiktherapie, gerade mit Kindern, überschneiden sich mit jenen der Musikpädagogik. Ich begann bereits im Alter von 16 Jahren Kinder in Blockflöte zu unterrichten, später auch Klavier, Orff-Instrumente, Musiktheorie und Improvisation. Seit 1992 gebe ich Percussionkurse für Kinder und Erwachsene und gebe meine Wissen auch gerne in Fortbildungen weiter.

Gedanken zum Unterricht für Kinder

Über all die Jahre seit meinen ersten Percussionkursen für Kinder im Jahr 1992 haben sich verschiedene Aspekte des Unterrichtens herausgebildet:

Die kindliche Neugier auf alles was klingt, scheppert, kracht, tönt und schwingt, lässt sich behutsam lenken in Richtung musikalischer Ausdrucksfähigkeit, Wissen um Spieltechnik und traditionelle Spielweisen. Bei den ganz Kleinen halte ich es immer mehr so, ihnen Angebote (an Instrumenten oder Spielideen) zu machen, die dann je nach individueller Zugangsweise ausprobiert werden können. Bei den größeren Kindern, die schon gewisse Strukturen aus Kindergarten, Kindergruppe oder Schule gewohnt sind, folgen die Unterrichtseinheiten einem gewissen Schema aus Eröffnungslied, Trommelübungen, Klangspielen an verschiedenen Instrumenten und einem Abschluss-Gong.

In der musiktherapeutischen Arbeit dient das aktive Musizieren letztendlich keinem musikalischen Zweck, sondern einem gesundheitlich-sozialen. Umgekehrt bin ich der Meinung, dass tiefes Verstehen afrikanischer und auch anderer Gruppenmusik ohne eine gewisse soziale Kompetenz nicht gelingen würde. So nutze ich musiktherapeutische Vorgangsweisen, um die Kinder zum "sozialen Musizieren" anzuregen, mit dem tatsächlichen Ziel des besseren Musizierens. Wenn als Nebeneffekt zB ein besseres Lernverhalten entsteht, schadet's ja nicht.

Die Beschäftigung mit Musik, insbesondere der improvisierten, wirkt über das eigentlich musikalische hinaus, manche Eltern berichten von einer Verbesserung im sozialen Handeln ihrer Kinder, andere vom besseren Umgang mit Aggressionen, andere von einer vertieften Konzentrationsfähigkeit. Eine erwachsene Schülerin berichtete, sie sei früher häufig gestürzt und gestolpert - der Unterricht am Balafon stabilisierte sie so sehr, dass ihr heute nichts mehr passiert. Ich versuche diesen Phänomena einerseits Rechnung zu tragen, sie andererseits aber nicht zielgerichtet als Programm zu verfolgen.

Nach meiner Erfahrung kommt es durchschnittlich erst im Alter von 7 1/2 bis 8 Jahren zu einer klaren Herausbildung rhythmischer Fertigkeiten. Diese können schon vorher durch Sprechstücke, kleine Lieder, Klatschen, Rasseln und einfachste Rhythmen mit Schlaginstrumenten gefördert werden. Im Vordergrund mit den jüngeren steht aber für mich das Spielen mit Klängen, das unbefangene Sich-Herantasten an verschiedenste Instrumente, das Erlernen der einfachsten Regeln im gemeinsamen Gruppenspiel.
"Richtig" losgehen mit afrikanischen Rhythmen, mehr Interesse an der genauen Haltung, Schlagtechnik und eben den spürbaren Grooves Westafrikas wird's erst, wenn Rhythmen als solche besser erfasst werden können, was in der Regel mit 7-8 Jahren der Fall ist. In diesem Alter entscheidet sich auch sehr bald von Seiten des Kindes, wie groß das Interesse an dieser Musikrichtung wirklich ist und wie viel Zeit es dieser widmen will.

Diejenigen, die dann schon wirklich lange dabei geblieben sind, versuche ich (auch außerhalb der mehr internen Konzerte im polycollege) auf die Bühne zu bringen, ihnen einen Teil dessen zu vermitteln, was es heißt, Profimusiker zu sein... (Djembians).
Obwohl ich als ausgebildeter Musiktherapeut mit dem Unterrichten in dieser Form begonnen habe, steht doch im Vordergrund das musikalische Lernen. Ich möchte den Kindern einen Zugang zur Musik ermöglichen. Ich halte dies mit Perkussionsinstrumenten für viel leichter möglich als z.B. via Klavier, Violine oder Blockflöte, da Schlaginstrumente einen viel spontaneren Ausdruck zulassen, man sehr viel schneller zu akzeptablen musikalischen Ergebnissen kommt und das soziale Element des Musizierens dabei sehr gut spürbar ist.

Für mich als aktivem Musiker war und ist es immer wichtig, auch im Unterricht qualitativ hochwertige musikalische Ergebnisse zu erzielen - aber nicht unter Stress und Leitungsdruck, sondern aus dem bestmöglichen Umgang mit den eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten heraus. Niemand muss MusikerIn werden, aber in jedem/jeder von uns steckt meines Erachtens die Möglichkeit dazu - zumindest die eigenen musikalischen Fähigkeiten herauszufinden, auszuüben und sich daran zu freuen. Nichtsdestotrotz freu' ich mich außerordentlich, wenn aus einem/r meiner kleinen TrommlerInnen dann doch ein großer Geiger oder eine berühmte Organistin werden sollte.

Ein weiterer Aspekt: Kinder mit (teilweise) afrikanischem Hintergrund bleiben oder kommen in Kontakt mit der Kultur ihrer Väter/Mütter bzw. deren Herkunftsländern, erleben diesen Teil ihrer Familiengeschichte als grundsätzlich positiv weil reich an Musikkultur; zusätzlich verstärkt die soziale Struktur des afrikanischen Musizierens die Integration in der aktiven Gruppe. Die Kinder jedweder Herkunft lernen in den Kursen quasi nebenbei die Wertschätzung für andere Kulturen, den Respekt vor dem "anderen".
Ohne meine erzieherischen Möglichkeiten in einer Stunde pro Woche überschätzen zu wollen, glaube ich doch, dass so manches Kind, das wider besseres Wissen Afrikanern als "N...." bezeichnete, durch den Umgang mit Kindern teilweise afrikanischer Herkunft - oder schlicht und einfach durch die Beschäftigung mit afrikanischen Trommeln - eine andere Sicht- und Umgangsweise entwickeln konnte.

Im TROMMELSTUDIO waren bisher SchülerInnen mit Eltern aus Österreich, Deutschland, Ghana, Madagaskar, Guinea, Äthiopien, der Karibik, Frankreich, Kroatien, der Türkei, Ungarn, Slowenien, Nigeria, USA, England, Serbien, Südafrika, Japan, Sudan, Bulgarien, Italien, ...

Ein weiterer zu erwähnender Aspekt meiner Arbeit ist, dass die Gruppen auch sogenannten Integrationskindern (oder sog. Kindern "mit besonderen Bedürfnissen") prinzipiell offen stehen. Die Gruppen sind zwar kein therapeutisches Angebot, aber ich denke, dass es heutzutage ganz selbstverständlich sein sollte, Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Körperbehinderungen, Epilepsie oder ähnlichen "Herausforderungen" als Teil der Lerngemeinschaft zu begreifen.

 

Zum Percussion-Unterricht für Erwachsene

Inhalt

Hauptthema ist die Beschäftigung mit westafrikanischer Percussion in der Tradition der Malinke, in erster Linie das Spiel der Djembe, aber auch deren Begleit- und Ensembleinstrumente wie Dunduns (Basstrommeln), Bara (Kürbistrommeln), Jabara (Shekere), Karinyan (Eisen-Guiro), Balafon (Xylophon).
Ein Nebenschauplatz ist die spielerische Improvisation mit weiteren vorhandenen Percussion-Iinstrumenten aus aller Welt (zB Gong, Klangschalen, Latin Small Percussion).

Philosophie

In allen Kursen möchte ich die TeilnehmerInnen beim Ensemblespiel entsprechend ihrem individuellen Niveau einsetzen. Oftmals ist es sogar leichter, einen Rhythmus sozusagen von der Beat-Shekere oder von der einfachen Basstrommel-Stimme aus zu begreifen. Im afrikanischen Sinne zu lernen heisst, sich allmählich von den rhythmisch leichteren zu den schwierigeren Instrumenten und Rollen vorzuarbeiten. Diese Vorgangsweise ermöglicht das Zusammenspielen von SchülerInnen mit unterschiedlichen Erfahrungsniveaus ohne Lust- und Qualitätsverlust.
Die Djembe ist Teil eines Ensembles mit Basstrommeln und anderen Begleitinstrumenten. Gruppenspiel mit 12 Djembes, die alle unisono das Gleiche spielen, mag unterrichtstechnisch manchmal sinnvoll und notwendig sein, entspricht aber in keinster Weise der Verwendung der Djembe in Westafrika. Dort spielen 2 - 3 Djembes meist im Verband mit 2 - 3 Dunduns, mit oder ohne Glocken.
Die Djembe versteht sich also als Teil eines größeren musikalischen Ganzen - es käme ja in Europa wohl auch niemand auf die Idee, ein Streichquartett mit vier Geigen zu besetzen…

Unterrichtsablauf

Im Prinzip* läuft eine Unterrichtseinheit folgendermaßen ab:

  • Aufwärmen mit einfachen Übungen in Schlagtechnik, Hand- und Körperhaltung, Rhythmus, Notation
  • Evtl. Rhythmustraining mit Geh- und Klatschübungen zum besseren Verständnis komplexerer Strukturen
  • Überlieferte Rhythmen für die Djembe (Basisrhythmen, Begleitmuster, Solo-Patterns)
  • Ensembleinstrumente (Spieltechnik, Rhythmen, Einsatzmöglichkeiten)
  • Gelegentlich Tonbeispiele oder Musikvideos
  • Mehrstimmiges Ensemblespiel
  • Fallweise freie rhythmische Improvisationen unter Einbeziehung von "afrika-fremdem" Instrumentarium

Die Gewichtung der Teilbereiche erfolgt in Absprache mit den KursteilnehmerInnen.
Im Vordergrund steht der Spaß am Spielen, Erkunden und Ausprobieren.

* "Prinzipien halten sich am Leben durch ihre Verletzung." (Bert Brecht) :-)

© Benno Sterzer, 2011